Lauf der Dinge
The way things go
HD, Farbe, 12min, 2015
Buch, Regie, Kamera, Schnitt: Iuri Maia Jost
Sprecher: Lisa Schlegel, André Wagner
Ein Ehepaar trennt sich nach 24 Jahren Ehe. Auf dem Sperrmüll finde ich ihren Briefwechsel. Eine Ton-Bild-Collage aus Fundstücken.
A batch of letters. Inside is the detailed description of the failure of a marriage. From fragments of this correspondence the film weaves an intimate and gentle picture of a relationship caught between hope and doubt.
English version: https://vimeo.com/168923458
Presse
Jan Sebening, Katalogtext DOK.fest München:
Ein ‘Objet trouvé’ steht am Anfang dieses Filmgedichts. In einer Kiste fand Iuri Maia Jost den Briefwechsel zwischen zwei Menschen – einer Frau und ihrem Mann –, die sich mit der Trennung und dem Ende ihrer Ehe weder abfinden noch die Beziehung ganz abrechen wollten oder konnten. Durch die Montage privater Fotos und Schnappschüsse findet der Film ein visuelles Gegengewicht zu der nüchternen wie tragischen Beschreibung der Einsamkeit, Verlassenheit und immer wieder aufflackernden Hoffnung. Wie geschickt das Bild und der Ton sich gegenseitig befragen und bestärken, das lässt sich hier hautnah erleben.
https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/8935
„Lauf der Dinge“ ausgezeichnet mit dem 1. Preis des DEKALOG-Filmwettbewerbs der Guardini-Stiftung Berlin (November 2015). Auszug aus der Laudatio der Juryvorsitzenden Corinna Kirchhoff:
[…] Der zweite Beitrag, eine Arbeit Iuri Maia Josts, einem Absolventen der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, ist dokumentarischer Art (und von einer solchen Qualität, dass wir ihm gleichranging zu „Der Verdacht“ ebenfalls den ersten Preis zuerkannt haben). „Lauf der Dinge“, so der Titel, ist eine Collage, besser vielleicht Bild-Ton-Assemblage von Fotos ehelicher Idylle, bescheidenen Wohlstands und kleinen Glücks, alte Aufnahmen, vielleicht aus den 70er, 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, Zeugnisse eines frühen Liebesglücks, der Ausgelassenheit im Freundeskreis – viel Gelsenkirchener Barock und wenig Spontaneität gelebten Lebens, in der Abfolge immer häufiger durchsetzt mit Bildern – Fotos und Videostills – von Sperrmüll und Haushaltsauflösung. Im Off zwei Stimmen, die aus Briefen eines Ehepaares nach der Trennung vortragen – ein hoffnungsloser Dialog, ein Versuch, die neue Situation zu bewältigen, mit der Vergangenheit fertig zu werden, mit sich ins Reine zu kommen, erstickte Hilferufe, kalender-spruchhafte Beschwichtungen gepaart mit Vorwürfen. Dann wieder Passagen voller Zärtlichkeit, die kaum ausgesprochen oder, da es sich ja um Briefe handelt, kaum niedergeschrieben, sprachlos verhallen. Ein Briefroman, dessen Epilog schon lange zurückliegt. „Lauf der Dinge“ ist ein Zeugnis des verfehlten Lebenssinns im geteilten wie im getrennten Leben. Vom Ende her gedacht, das Rad der Zeit zurückgedreht, also jene Erfahrung eingebracht, die frei nach Oscar Wilde die Fehler sind, die wir gemacht haben, könnte sich ein erfülltes Leben einstellen, aber es ist ein Hoffnungstitel ohne Gegenwart und ohne Gegenwert, immerhin aber ein für uns anderen gültiger Hoffnungstitel. […]
http://www.guardini.de/guardini/front_content.php?idart=738&idcat=123&lang=3
Vorführungen Screenings
2016 22. Filmschau Baden-Württemberg
2016 Kinemathek Karlsruhe
2016 Schauburg Leipzig
2016 DOK.fest München
2015 Guardini-Stiftung Berlin